Yoga Philosophie | Iyengar-Yoga-Zentrum Frankfurt

Yoga Philosophie


B.K.S. Iyengar hat sich während seiner ganzen Schaffenszeit sowohl dem Hatha Yoga (körperlicher Yoga) als auch dem Patanjali Yoga (klassischer-philosophischer Yoga) verschrieben und seine eigene Methode des Übens über die vergangenen Jahrzehnte hinweg perfektioniert. Darin spielt klassischerweise das Üben von Asanas (Körperhaltungen) eine besondere Rolle.

Asanas, Patanjali Yoga, Hatha Yoga

Patanjali

Asanas

Körperliche und geistige Askese waren im alten Indien stets Mittel auf der Suche nach dem Erwachen aus der Unbewusstheit hin zur Erfahrung der ursprünglichen Existenz in der Tiefe des Herzens. Das Ziel war und ist das Eins-Sein-Wollen mit dem was größer ist als wir und gleichzeitig Teil von uns.

Der Körper – als Ort der Versöhnung der Gegensätze – stellt ein Vehikel dar mit unendlichen Möglichkeiten des Gebrauchs. Er lässt sich kasteien, verdammen und ignorieren. Er lässt sich verehren, verfeinern und lieben. Er kann ausgerichtet, gedreht, geöffnet, umgekehrt und gebeugt werden. Er ist sowohl fähig komplexe Asanas zu vollführen als auch regungslos im Padmasana (Lotussitz) zu verweilen. Das für das indische Streben nach Frieden, Harmonie, Freiheit und Glück so wesentliche Element der Erlösung findet sozusagen einen psychosomatischen Widerhall.

Der Asana-Begriff geht in der Geschichte des Yoga sehr weit zurück. Bereits in der Katha-Upanishad (ca. 9. Jdt. v. Chr.), der wohl ältesten, explizit vom Yoga handelnden Upanishad (philosophische Schrift aus dem Hinduismus), wird beschrieben, wie man mit dem Körper (verglichen mit einem Wagen) richtig umgeht, um die Sinne (verglichen mit Pferden) zu zügeln und führen.

Patanjali Yoga

Patanjali (ca. 400 v. Chr.) war für den Yoga ein bedeutender indischer Gelehrter. Als Verfasser der Yogasutren, also der klassischen indischen Schriften zum Yoga, wird er auch als „Vater des Yoga” bezeichnet. In seinen Schriften wird der klassisch-philosophische Yoga und der 8-gliedrige Übungsweg (ashtanga-yoga) beschrieben. Asana und Pranayama bilden darin die 3. und 4. Stufe. Patanjali gibt in den Yogasutren die erste genaue Definition von Asana: eine Körperstellung wird zum Asana, wenn sie Stabilität und Gelöstheit besitzt („sthira sukham asanam”, II/46-48).
Diese Qualitäten ermöglichen es dem Bewusstsein, sich mehr und mehr nach innen zu richten, um schließlich den unendlichen Raum zu berühren. Dieser Zustand bedeutet Gleichgewicht, das Überwinden von Gegensätzen, das Ausgerichtetsein auf das Wesentliche. In der Philosophie und Psychologie Patanjalis führt die Schulung des Körpers und des Geistes durch Asanas und Pranayamas letztendlich zur Schau des innersten Wesenskerns (purusha).

Hatha Yoga

Der Begriff Hatha Yoga entwickelte sich ab dem 4. Jhd. n. Chr. Er beschreibt eine Art des Yoga, in der körperliche Übungen wie Asanas und Pranayamas auf dem Weg zur Erlösung, dem Gleichgewicht zwischen Körper und Geist, von grundlegender Bedeutung sind. Er grenzt den spirituellen Yoga (wie etwa den Yoga des Patanjali) vom körperlichen Yoga (Hatha Yoga) ab.
Die Asana-Arbeit und die bewusste Kontrolle von Prana (Lebensenergie), also Pranayama, dienen der Vereinigung von “ha” (Sonne, das Außen, die Bewegung) mit “tha” (Mond, das Innere, Intuition). Hatha Yoga eröffnete jedem spirituell Suchenden die Möglichkeit, sich auf den Weg nach innen zu begeben. Das Sanskritwort bedeutet aber auch „intensive Kraft, ein Sich Einlassen mit Haut und Haaren“. Es meint im Kern eine körperlich-geistige Anstrengung während des Übens. So gehören Hatha Yoga und Patanjali Yoga, der auch Raja-Yoga (raja-yoga = königlicher Yoga) bezeichnet wird, untrennbar zusammen.

 

Literatur

Folgende Literaturliste soll dazu ermuntern, tiefer in die Welt des Yoga einzudringen.

Iyengar-Yoga-Zentrum-Frankfurt Bücher

B.K.S. Iyengar Licht auf Yoga.
Das grundlegende Lehrbuch des Hatha-Yoga, Frankfurt 2006

Licht auf Pranayama.
Das grundlegende Lehrbuch der Atemschule des Yoga, Frankfurt 1981

Der Baum des Yoga.
Ein praktischer und spiritueller Begleiter auf dem Weg, die Kunst des Yoga zu erlernen, Bern 1991

Der Urquell des Yoga.
Die Yoga-Sutras des Patanjali – erschlossen für den Menschen von heute, Bern 1995

Yoga. Der Weg zu Gesundheit und Harmonie, London 2002

Licht fürs Leben. Die Yogavision eines großen Meisters, Frankfurt 2005

Geeta S. Iyengar, Yoga für die Frau, Bern 1993

Geeta S. Iyengar, Rita Keller, Kerstin Khattab, Iyengar Yoga for Motherhood, ORT 2010

Mircea Eliade, Yoga, Unsterblichkeit und Freiheit, Zürich 1977

Heinrich Zimmer, Yoga und Buddhismus. Indische Sphären, Frankfurt 1973

Georg Feuerstein, die Yogatradition. Geschichte, Literatur, Philosophie und Praxis,
Wiggensbach 2008

Gert von Natzmer, Auf der Suche nach dem Sinn. Religionen und Weltanschauungen, Frankfurt 1985

Bettina Bäumer, Befreiung zum Sein. Auswahl aus den Upanishaden, Zürich/Köln 1986

Paul Deussen, Sechzig Upanishad’s des Veda, Darmstadt 1963

Helmuth von Glasenapp (Hrsg.), Bagavadhgita. Das Lied der Gottheit, Stuttgart 2008

Georgie Grütter, Yoga Philosophie, 2014
Dieses Buch richtet sich an alle, die die spirituelle Kraft und facettenreiche, zeitlose Weisheit des indischen Denkens, des yogischen Wissens besser verstehen möchten.
Bei der Bearbeitung der Seiten zur Yogaphilosophie wurden einige Anregungen und Zitate diesem Buch entnommen.